Die Auswahl der Indikatoren

Der Q Check-Report steht und fällt mit der Auswahl der Indikatoren: Sie sollen praxistauglich, automatisiert erfassbar und aussagekräftig sein. Sie sollen sowohl für das Herdenmanagement, als auch für die betriebliche Eigenkontrolle und das nationale Monitoring genutzt werden können. Ziemlich hohe Ansprüche wurden an die Indikatoren gestellt, und dementsprechend aufwendig war der Weg bis zum finalen Indikatorenkatalog.
Gemeinsam mit relevanten Akteuren¹ aus der Milchviehbranche wurden, in aufwändigen Verfahren, die Indikatoren für den Q Check-Report erarbeitet.

Befragung von 215 Experten
Realitätsabgleich mit 33.000 Betrieben
Dauer der Indikatorenauswahl 156 Wochen

... and the winner is

Indikatoren, die mit einer Zweidrittelmehrheit als geeignet für die Durchführung der betrieblichen Eigenkontrolle und das nationale Tierwohlmonitoring eingestuft wurden, wurden in den Indikatorenkatalog aufgenommen. Diese Indikatoren haben das Rennen gemacht:

  • Anteil Kühe in der Herde mit einem SCC ≤ 100.000 bzw. > 400.000 Zellen/ml
  • Erstlaktierendenmastitisrate
  • Neuinfektions- und Heilungsrate in der Trockenperiode
  • Neuinfektionsrate in der Laktation
  • Anteil chronisch euterkranker Kühe mit schlechten Heilungsaussichten
  • Anteil Kühe mit einem Fett-Eiweiß-Quotienten ≥ 1,5 bzw. < 1,0 in den ersten 100 Laktationstagen
  • Merzungsrate
  • Nutzungsdauer (der gemerzten Kühe)
  • Mortalität bei Kühen und Kälbern

Das sagen die Experten

Dr. Jan Brinkmann und Dr. Solveig March, Arbeitsgruppe Tierwohl am Thünen-Institut:
Wenn wir möchten, dass es unseren Kühen „rundum gut geht“ dann ist es wichtig, ergebnisorientiert zu arbeiten und Tierwohl anhand von tierbezogenen Indika-toren zu bewerten. Mit Q Check liefern wir auf Basis bestehender Analyse- und Datenerfassungssystemen ein praxistaugliches Instrument, das für die betriebliche Eigenkontrolle, das tägliche Herdenmanagement und ein nationales Monitoring genutzt werden kann.“

 


Prof. Dr. Matthias Kussin, Professor für Medien- und CSR-kommunikation an der Hochschule Osnabrück: „Tierwohl in der Milchviehwirtschaft gelingt nur, wenn Politiker¹ und Forscher¹ Hand in Hand arbeiten und auch die Gesellschaft mit ihren Erwartungen mitnehmen.“

Wie wurden die Indikatoren ausgewählt?

Auf den folgenden drei Säulen baut die Auswahl der Indikatoren auf:

  • Delphi-Analyse Mithilfe eines mehrstufigen Befragungsverfahrens wurden geeignete Indikatoren aus den Systemen ausgewählt. Es wurden brancheninterne Akteure¹ wie praktizierende Landwirte¹, Tierärzte¹ und Agrarwissenschaftler¹ befragt. In zwei Runden durften die Experten¹ bewerten, wie geeignet die 53 vorgegebenen Indikatoren zur Durchführung der betrieblichen Eigenkontrolle sowie für ein nationales Tierwohlmonitoring sind.
  • Statistischer Abgleich mit Massedaten Von den befragten Experten¹ angegebene Ziel- und Warnwerte wurden anhand von Massendaten der Lebensrealität auf deutschen Milchviehbetrieben gegenübergestellt. Um einen geeigneten und motivierend wirkenden Vergleichsmaßstab darzustellen, wurde in Abstimmung mit den Verantwortlichen in den Milchkontrollverbänden, eine Betriebsklassifizierung erarbeitet. Die Betriebe können sich somit sowohl horizontal (zwischenbetrieblich innerhalb der Betriebsklassen) als auch vertikal (innerbetrieblich im zeitlichen Verlauf) vergleichen.
  • Stakeholderbefragung In persönlichen Interviews wurden Experten¹ aus folgenden Bereichen zum Thema Tierwohl und zu geeigneten Indikatoren befragt:
    • Verbände aus den Bereichen Agrar, Tiermedizin, Industrie
    • Tierschutz, Verbraucherschutz, Kirche
    • Politik (Agrarpolitik, Umweltpolitik)
    • Wissenschaft (Ethik, Naturwissenschaft)
    • Wirtschaft (Lebensmitteleinzelhandel, Molkereien)

¹Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen wird im Text zwar nur die männliche Form genannt, stets aber die weibliche und andere Formen gleichermaßen mitgemeint.