Hintergründe zum Projekt

Jeder Milchviehhalter¹ übernimmt tagtäglich Verantwortung für seine Kühe. Dass die Art und Weise der Umsetzung auch über die Hofgrenzen hinaus auf Interesse stößt, zeigt die öffentliche Debatte um Tierwohl in der Nutztierhaltung. Das gesteigerte Interesse ist grundsätzlich eine erfreuliche Entwicklung. Leider geht sie mitunter mit pauschaler Kritik an der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung und einer wenig sachlich geführten Diskussion einher.

Mehr Transparenz in der Nutztierhaltung

Mit der Verankerung der betrieblichen Eigenkontrolle im Tierschutzgesetz wurde bereits ein wichtiger Schritt in Richtung „Mehr Transparenz in der Nutztierhaltung“ gemacht. Die im Januar 2019 veröffentlichte Nutztierstrategie geht noch eine Stufe weiter; mithilfe eines anonymisierten Tierwohlmonitorings soll die Grundlage für einen Tierwohlbericht geschaffen werden.

„Wer Nutztiere zu Erwerbszwecken hält, hat durch betriebliche Eigenkontrollen sicherzustellen, dass die Anforderungen des § 2 TierSchG eingehalten werden.
Insbesondere hat er zum Zwecke seiner Beurteilung, dass die Anforderungen des § 2 erfüllt sind, geeignete tierbezogene Merkmale (Tierschutzindikatoren) zu erheben und zu bewerten.“ (§ 11 Abs. 8, TierSchG)

Tierwohlindikatoren in der Übersicht

Eine Fülle an Indikatoren, die die Erfassung des Tierwohls zum Ziel haben, wurde in den letzten Jahren wissenschaftlich erarbeitet. Diese lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:

  • Tierbezogene Indikatoren bilden die Antwort des Tiers auf seine Lebenssituation ab. Meist bewerten diese die Tiergesundheit als einen wichtigen Aspekt des Tierwohls.
  • Ressourcenbezogene Indikatoren beschreiben das Umfeld des Tieres, beispielsweise das Platzangebot oder das Haltungsverfahren.
  • Managementbezogene Indikatoren machen Aussagen über bestimmte Praktiken, wie z. B. das Enthornen von Rindern, das Fütterungsmanagement und den allgemeinen Umgang mit den Tieren.

Trotz der zur Verfügung stehenden fundierten Indikatoren konnte deren Erhebung in der breiten Praxis noch nicht erreicht werden.

Tierwohl – ein Dreiklang

Tierwohl ist definiert als ein mehrdimensionales Konzept, das neben der Tier­gesundheit auch das Tierverhalten und den emotionalen Zustand der Tiere umfasst. Der Q Check-Report enthält vorerst ausschließlich ausgewählte Indikatoren zur Tierge­sundheit, welche bei der Beurteilung von Tierwohl eine zentrale Rolle spielen und über objektive Datenerfassungen in den oben genannten Systemen bereits heute verfügbar sind.

Klarer Vorteil für die Milchviehbranche

Mit der Milchkontrolle, der HIT-Datenbank, der Milchgüteprüfung und dem QM-Milch-System verfügt der deutsche Milchviehsektor seit vielen Jahren über vier etablierte Erfassungs- und Analysesysteme, die kontinuierlich und deutschlandweit einheitlich erhobene Daten verarbeiten. Eine Überprüfung der Eignung dieser Systeme für die Einsatzzwecke „betriebliche Eigenkontrolle“ und „nationales Tierwohlmonitoring“ war Gegenstand der Projektarbeit. Aus den vier Systemen wurden insgesamt 53 Indikatoren abgeleitet, deren Nutzbarkeit im Rahmen eines aufwendigen Verfahren von ausgewählten Experten bewertet wurden.

Q Check schafft die Möglichkeit, das Potenzial von bereits verfügbaren Indikatoren auszuschöpfen und bedarfsgerecht für Landwirte¹, betreuende Tierärzte¹ und Berater¹ nutzbar zu machen.
Mehr über diesen Prozess und die Ergebnisse finden Sie hier.

 

49.000 Betriebe mit 3,7 Millionen Kühen (88 % der Milchkühe) haben sich freiwillig einem monatlichen Gesundheitscheck angeschlossen. Einzeltierbezogene Milchproben werden nach standardisierten Richtlinien in Hinblick auf Milchinhaltsstoffe & Gesundheitsparameter untersucht.

Die Teilnahme an der Milchgüteprüfung ist verpflichtend für alle milchliefernden Betriebe: Mehrmals monatlich wird die abgelieferte Milch aller Milchkuhhalter1 (100 % der Milchkühe) untersucht. Diese Analysen liefern tiergesundheitlich relevante Indikatoren auf Herdenebene.

Die Meldungen von Zu- und Abgängen auf dem Betrieb an die bundesweite Datenbank HIT sind Pflicht für jeden Tierhalter1. Daraus können für alle bundesdeutschen Rinderhaltungen (100 % der deutschen Kühe) Mortalitätsraten von Kühen und deren Nachzucht ermittelt werden.

 

Im Rahmen der bundesweiten Auditierungen zum Qualitätsmanagementsystem QM-Milch werden u.a. ressourcen- und managementbezogene Informationen zum Tierwohl erhoben. Deutschlandweit nehmen ca. 90 % der milchproduzierenden Betriebe an QM-Milch teil.

¹Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen wird im Text zwar nur die männliche Form genannt, stets aber die weibliche und andere Formen gleichermaßen mitgemeint.