Die Auswahl der Indikatoren

Eine sorgfältige Auswahl der Indikatoren ist entscheidend, um die gestellten Ansprüche auf allen Ebenen zu erfüllen. Im Fokus steht stets der Nutzen für den landwirtschaftlichen Betrieb. So sollen die Indikatoren praxistauglich, automatisiert erfassbar und aussagekräftig sein. Zudem sollen sie sowohl für das Herdenmanagement, als auch für die betriebliche Eigenkontrolle und das nationale Monitoring genutzt werden können. Dementsprechend aufwendig war der Weg bis zum finalen Indikatorenkatalog. Die Q Check Indikatoren wurden gemeinsam mit relevanten Akteuren¹ aus der Milchviehbranche in aufwändigen Verfahren erarbeitet.

Vorteil des Milchviehsektors nutzen

Mit der Milchkontrolle, der HIT-Datenbank, der Milchgüteprüfung und dem QM-Milchsystem verfügt der deutsche Milchviehsektor seit vielen Jahren über vier etablierte Erfassungs- und Analysesysteme, die kontinuierlich und deutschlandweit einheitlich Daten generieren und verarbeiten. Diesen Vorteil hat sich Q Check zu Nutze gemacht und eine Überprüfung der Eignung dieser Systeme für die genannten Einsatzzwecke in den Mittelpunkt der Projektarbeit gestellt. Aus den vier Systemen wurden insgesamt 53 Indikatoren abgeleitet, deren Nutzbarkeit im Rahmen eines aufwendigen Verfahren von ausgewählten Experten1 bewertet wurde.

Wie wurden die Indikatoren ausgewählt?

Auf den folgenden drei Säulen baute die Auswahl der Indikatoren auf:

  • Delphi-Analyse Mithilfe eines mehrstufigen Befragungsverfahrens wurden geeignete Indikatoren aus bestehenden Analyse- und Erfassungssystemen ausgewählt. Es wurden brancheninterne Akteure¹ wie praktizierende Landwirte¹, Tierärzte¹ und Agrarwissenschaftler¹ befragt. Dabei durften die Experten¹ bewerten, wie geeignet die 53 vorgegebenen Indikatoren zur Durchführung der betrieblichen Eigenkontrolle sowie für ein nationales Tierwohlmonitoring sind.
  • Statistischer Abgleich mit Massedaten Von den befragten Experten¹ angegebene Ziel- und Warnwerte wurden anhand von Massendaten der Lebensrealität auf deutschen Milchviehbetrieben gegenübergestellt. Um einen geeigneten und motivierend wirkenden Vergleichsmaßstab darzustellen, wurde in Abstimmung mit den Verantwortlichen in den Milchkontrollverbänden eine Betriebsklassifizierung erarbeitet. Die Betriebe können sich somit sowohl horizontal (zwischenbetrieblich innerhalb der Betriebsklassen) als auch vertikal (innerbetrieblich im zeitlichen Verlauf) vergleichen.
  • Stakeholderbefragung In persönlichen Interviews wurden Experten¹ aus folgenden Bereichen zum Thema Tierwohl und zu geeigneten Indikatoren befragt:
    • Verbände aus den Bereichen Agrar, Tiermedizin, Industrie
    • Tierschutz, Verbraucherschutz, Kirche
    • Politik (Agrarpolitik, Umweltpolitik)
    • Wissenschaft (Ethik, Naturwissenschaft)
    • Wirtschaft (Lebensmitteleinzelhandel, Molkereien)
Befragung von 215 Experten
Realitätsabgleich mit über 34.000 Betrieben
Dauer der Indikatorenauswahl 156 Wochen

... and the winner is

Indikatoren, die mit einer Zweidrittelmehrheit als geeignet für die Durchführung der betrieblichen Eigenkontrolle und das nationale Tierwohlmonitoring eingestuft wurden, wurden in den Indikatorenkatalog aufgenommen. Diese Indikatoren haben das Rennen gemacht:

  • Anteil eutergesunder Kühe (Milchzellgehalt ≤ 100.000 /ml Milch)
  • Anteil Tiere mit deutlich erhöhtem Zellgehalt (Milchzellgehalt > 400.000 /ml Milch)
  • Anteil chronisch euterkranker Kühe mit schlechten Heilungsaussichten
  • Neuinfektions- und Heilungsrate in der Trockenperiode
  • Neuinfektionsrate in der Laktation
  • Erstlaktierendenmastitisrate
  • Anteil Kühe mit einem Fett-Eiweiß-Quotienten ≥ 1,5 bzw. < 1,0 in den ersten 100 Laktationstagen
  • Merzungs-/Abgangsrate der Kühe
  • Nutzungsdauer (der gemerzten Kühe)
  • Mortalität bei Kühen und Kälbern

Gebündeltes Knowhow

Mit viel Herz und Verstand hat sich ein erfahrenes und interdisziplinäres Team gemeinsam mit allen deutschen LKV und Milchprüfringen auf den Weg gemacht. Koordiniert wurde Q Check vom Deutschen Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen e.V. (DLQ).

Der  DLQ, ein Verbund aus Milchkontroll-Organisationen, die gemeinsam an der Stärkung und Innovation ihrer Dienstleistungen arbeiten. Die Kernkompetenz der DLQ-Mitglieder¹ liegt in der neutralen und unabhängigen Erhebung von Daten, die – intelligent verdichtet – maßgeschneiderte Informationen und Entscheidungshilfen für verschiedenen Zielgruppen (Landwirte¹, Tierärzte¹ und Politik) liefern.

Das Arbeitsgebiet Medien- und CSR-Kommunikation an der Hochschule Osnabrück ist explizit auf Agrarkommunikation ausgerichtet und befasst sich mit Fragestellungen zu Dialogprozessen zwischen Branche und Öffentlichkeit aber auch zwischen Akteuren innerhalb der Branche.

Als Partner der bayerischen Landwirte¹ vertritt das LKV Bayern e. V. etwa 20.000 Milchviehbetriebe und verfügt über langjährige Kompetenz in der Verarbeitung großer Datenmengen. Das LKV Bayern steht stellvertretend für alle Partner¹ im RINDER DATEN VERBUND.

Der Arbeitsbereich „Ambulanz und Bestandsbetreuung“ der Klinik für Wiederkäuer der Ludwig-Maximilians-Universität München beschäftigt sich seit vielen Jahren in Lehre und Wissenschaft mit der Entwicklung von Konzepten und Werkzeugen für die Integrierte Tierärztliche Bestandsbetreuung (ITB) und die Qualitätssicherung in Milcherzeugerbetrieben.

Die Identifikation und Überprüfung tierbezogener (Kern-) Indikatoren zur Bewertung von Gesundheit und Wohlbefinden landwirtschaftlicher Nutztieren ist seit über 20 Jahren die Kernkompetenz des Thünen-Institut in Trenthorst. Die (Weiter-) Entwicklung präventiver Managementkonzepte im Bereich Tiergesundheit und Tierwohlbefinden sind essentielle Forschungsschwerpunkte.

Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung w. V. ist als Informationsdienstleister unmittelbar für landwirtschaftliche Organisationen der Leistungsprüfung, der künstlichen Besamung und der Zucht tätig. Für diese betreibt vit eine gemeinsame Datenverarbeitung mit integrierten Fachanwendungen, aus denen Informationen für das betriebliche und züchterische Management abgeleitet werden.

Q Check - mehr als ein Projekt

Es war ein langer Weg bis zum finalen Indikatorenset. In der Bildergalerie können Sie ihn verfolgen und sehen, was im Rahmen der Projektlaufzeit von Q Check los war. Unser Dank gilt allen Experten, die ihr Wissen, ihre Diskussionsbereitschaft und ihre Zeit eingebracht haben.

Den Projektstatus hat Q Check längst hinter sich gelassen. Q Check setzt Maßstäbe und ist als nationaler Standard in der Praxis angekommen!

¹Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet.